Die Fucking-Box: Beauty Licht vom Meister

Andries, unser Oberbeleuchter, ist Fan von einfachen Licht-Setups. Darum sind wir Fan von Andries.

Denn einfache Licht-Setups schonen nicht nur das Budget, sie helfen vor allem, beim Dreh schneller und effektiver zu arbeiten indem lange Umbaupausen vermieden werden.

Allerdings verlangen solche einfachen Licht-Konzepte auch eine Menge Erfahrung vom Oberbeleuchter und DoP. Ein Set mit Licht voll zu stellen ist keine Kunst. Ein stimmungsvolles Licht mit einfachen Mitteln zu zaubern allerdings schon.

Andries hat sich diese Erfahrung in jahrzehntelanger Arbeit als Oberbeleuchter für hunderte von TV-Spots, Hollywoodproduktionen oder auf Tours für U2 und viele andere Bands erworben.

Sein Meisterstück ist allerdings die „Fucking-Box“. Im Prinzip nur ein Quader aus Styroporplatten, in den an einer seitlichen Öffnung mit einer 1KW hineingeleuchtet wird und die an an einer kurzen Seite offen ist und mit Frost-Folie abgedeckt ist. Ein schöneres und weicheres Beautylicht schafft auch eine mehrere tausend Euro teure, aufwendig aufzubauende Okto-Softbox kaum.

Und sie ist ultraeinfach zu handhaben, Umbaupausen werden minimiert, Darsteller und Kunden langweilen sich nicht unnötig und die Nerven der Aufnahmeleiterin werden geschont. Warum das Ding allerdings „Fucking-Box“ heisst, bleibt Andries‘ Geheimnis.

Die Macht der Musik

Egal ob Werbespot oder Kinofilm – wie wichtig Musik für einen Film ist, fällt einem erst dann auf, wenn man ihn ohne Ton ansieht. Eine Szene aus einem Horrorfilm ohne bedrohliche Musik, wirkt auf einmal gar nicht mehr so Furcht einflößend. Durch sie wird die richtige Stimmung erzeugt und Emotionen beim Publikum geweckt.

Es werden drei Techniken unterschieden, nach denen Filmmusik komponiert wird: Leitmotiv-Technik, Underscoring und Mood-Technik.

Leitmotiv-Technik:

Personen, Gegenstände oder Erzählstränge bekommen ihre eigene Melodie sogenannte Leitmotive. Diese Melodie tritt immer wieder auf, wenn z.B. die Person auf der Leinwand erscheint oder wenn der Zuschauer im Laufe der Filmhandlung an diese erinnert werden soll. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Leitmotiv in Steven Spielbergs „Der weiße Hai“, das nur aus zwei Noten besteht, aber einen großen Effekt hat. Obwohl der Zuschauer den Hai nicht sehen kann, erfahren wir durch den Einsatz des Leitmotivs, dass er sich in der Nähe befindet.

Mia an Sebastian’s Theme aus La La Land wird immer dann gespielt, wenn die beiden Hauptcharaktere sich begegnen

Underscoring:

Bei dieser Technik wird die Musik passend zu den Geschehnissen auf der Leinwand komponiert und dient somit zur Unterstützung oder Verstärkung der dargestellten Handlungen. Eine extreme Form des Underscoring wird Mickey-Mousing genannt, bei dem Bewegungen der Personen, z.B. Schritte synchron zur Musik stattfinden, um diese zu betonen. Der Name kommt daher, weil diese Form oft in Zeichentrickfilmen eingesetzt wurde.

Ein Beispiel für Mickey-Mousing aus dem Film Spider-Man

Mood-Technik

Bei der Mood-Technik soll die Musik die Stimmung in den Szenen ausdrücken und die Gefühle der Personen wiedergeben, wodurch Emotionen beim Zuschauer geweckt werden. Im Gegensatz zur Leitmotiv-Technik ist sie nicht mit den einzelnen Personen verbunden, sondern vermittelt die Stimmung der gesamten Szene. Die Mood-Technik wird häufiger eingesetzt als die Leitmotiv-Technik oder das Underscoring.

Der Score von Manchester by the sea unterstreicht die Verzweiflung des Hauptcharakters

Der Einfluss von Musik ist nicht zu unterschätzen. Es gibt Melodien, die einen sofort an eine bestimmte Filmszene erinnern, z.B. der „Imperial March“ aus „Star Wars“. Die Kombination aus Score und Film macht manche Szenen unvergesslich.

 

Master of Sounds

Was wäre ein Film ohne Soundeffekte? Star Wars ohne die unverkennbaren Geräusche der Lichtschwerter? Undenkbar! Hier kommt der Foley Artist ins Spiel, dessen Job es ist, in der Post Production dem fertigen Film Geräusche hinzuzufügen.

Benannt wurde der Beruf nach einem Mitarbeiter der Universal Studios – Jack Foley. Seine Karriere begann in den 20er Jahren, als er für einen der ersten Tonfilme „Show Boat“ engagiert wurde. Weil die Mikrofone nur Dialog aufnehmen konnten, war seine Aufgabe, nachträglich Geräusche für den Film zu kreieren. Mit einfachen Alltagsgegenständen erschaffte er einen beeindruckenden Sound für Kinofilme. Damals hätte er sicher nicht gedacht, dass er einen ganzen Berufszweig erschaffen würde. Heute ist der Beruf des Foley Artists aus der Filmwelt nicht mehr wegzudenken. Fast alle Geräusche, die wir in einem Film hören, außer dem Dialog und Musik, sind Foley Sounds.

Foley Artists arbeiten in einem Foley Studio, wo sie den Film auf einem Bildschirm ansehen und mit den verschiedensten Requisiten an der richtigen Stelle die Geräusche platzieren. Eine ihrer Hauptaufgaben ist es Schritte nachträglich zu vertonen. Dazu werden verschiedene Schuhe und Böden genutzt, denn es hört sich natürlich anders an, ob jemand mit Stiefeln über einen Teppichboden läuft oder mit hohen Schuhen über Holzdielen. Außerdem kreiert er auch Geräusche wie z.B. quietschende Türen oder Hufgetrappel – eben alle Töne, die live am Set nicht aufgenommen werden konnten, sich nicht „richtig“ anhörten oder aber Töne, die gar nicht erst existieren, wie z.B. die Lichtschwerter in Star Wars.

Wenn du einem Foley Artist gerne mal bei der Arbeit zusehen würdest, ist hier ein interessanter Einblick in die Welt der „Geräuschemacher“:

Filmtipp: Manchester by the Sea

Manchester by the Sea ist ein Film über Schuld, tragische Ereignisse und wie man damit umgeht, wenn das Leben einen aus der Bahn wirft.

Die Hauptfigur des Films ist Lee Chandler, der als Hausmeister in Boston arbeitet. Er ist ein Einzelgänger, der nicht viel spricht und anderen Leuten lieber aus dem Weg geht. Abends betrinkt er sich in Bars, wo er auch schon mal ohne Grund eine Schlägerei anfängt. In ihm ist eine Wut und Trauer, die man alleine schon an seinem Blick erkennen kann und von der er nicht mehr loskommt. Diese Szenen stehen im Gegensatz zu den Flashbacks, in denen wir Lee als sympathischen, lustigen Mann kennenlernen, der mit seinem Neffen scherzt und ein liebevoller Familienvater ist.

Eines Tages erhält Lee einen Anruf aus Manchester, dem Ort, wo er früher gelebt hat. Sein älterer Bruder Joe ist gestorben und Lee soll sich um dessen Teenager-Sohn Patrick kümmern. Also macht er sich auf den Weg in seinen alten Heimatort, wo die Menschen ihm misstrauisch begegnen. Zu seiner Überraschung wurde er als Patricks Vormund ernannt. Doch er fühlt sich nicht bereit diese Aufgabe zu übernehmen. Lee bietet Patrick an mit ihm Manchester zu verlassen, aber sein Neffe weigert sich umzuziehen, da er in dieser Stadt viele Freunde hat, im Eishockey-Team spielt und Mitglied einer Band ist. Doch in Manchester ist in der Vergangenheit etwas Schreckliches vorgefallen, weshalb Lee nicht mehr dorthin zurückkehren möchte.

Der Zuschauer fragt sich die ganze Zeit, was wohl geschehen ist, dass Lee diesen Ort nicht ertragen kann und in den immer wiederkehrenden Flashbacks erfährt er schließlich, welches tragische Ereignis dazu geführt hat und wie Lee zu dem Mann geworden ist, der er ist.

Kenneth Lonergan hat sowohl Regie geführt, als auch das Drehbuch geschrieben. Obwohl der Film dramatisch ist, gibt es auch einige humorvolle Momente, die man in dieser Art von Story nicht erwarten würde: meist sind dies die Gespräche zwischen Lee und seinem Neffen. Die gute Charakterzeichnung und die realistischen Dialogen sorgen dafür, dass es sich nicht wie ein Film anfühlt, sondern wie das echte Leben. Das sieht man selten im Kino, weil die meisten Hollywood-Streifen große Action- oder Fantasy-Blockbuster sind, bei denen die Charaktere eher oberflächlich bleiben. Damit hebt er sich positiv aus der Masse der großen, spektakulären Hollywood-Filme ab. Zudem bietet der Film auch kein typisches Happy-End.

Casey Affleck hat den Oscar als bester Hauptdarsteller für die Rolle des Lee Chandler verdient gewonnen. Bereits in „Gone Baby Gone“ und „The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“ hat er sein schauspielerisches Talent unter Beweis gestellt, aber dies ist seine bisher beste Performance. Seine Darbietung ist herausragend. Er spielt die Verzweiflung und den Schmerz seiner Figur täuschend echt und taucht regelrecht in seine Rolle ein. Dem Zuschauer fällt es leicht, sich mit ihm zu identifizieren und mitzufühlen. Auch Michelle Williams, als Lees Ex-Frau Randi und Lucas Hedges als Patrick bieten überragende Leistungen, die ihnen ebenfalls eine Oscar-Nominierung einbrachte.

Manchester by the Sea ist ein Film, den man gesehen haben sollte und das vor allem wegen Casey Affleck’s schauspielerischer Leistung. Für mich einer der besten Filme des letzten Jahres und eine der besten Perfomances überhaupt.